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Kleine Partikel ganz groß

Planetarium_2026

(c) SPB Pedro Becerra

24.04.
2026

Zum zweiten Mal veranstaltete die Stiftung Planetarium Berlin im Zeiss Großplanetarium die Thementage Unsichtbare Welten. Statt wie sonst mit Teleskopen in den Weltraum zu blicken, erkundeten die Besucher und Besucherinnen bei dieser Veranstaltung mit Mikroskopen den Mikrokosmos. Mit dabei war wieder der Campus Buch, mit Experimentierstationen im Foyer und Live-Beiträgen im Kuppelsaal.

Plastik im Kopf?

Wir leben in einer Plastikwelt. Kein Lebensbereich kommt ohne Kunststoffe aus, zu zahlreich die Vorteile, zu vielseitig die über 16.000 Varianten. Doch nicht alles wird recycelt, ein Großteil landet in der Natur. Statt zu verrotten, wird Plastik mit der Zeit in immer kleinere Fragmente zerrieben, zerrissen und zerbrochen. Aus Makro- wird Mikroplastik. Doch es bleibt Plastik. Die winzigen Teilchen lassen sich überall finden, Untersuchungen zufolge auch in unseren Körpern. Was tun sie da? Beeinflussen die winzigen Partikel Mensch und Natur? Wenn ja, wie?

International arbeiten viele Institutionen mit Hochdruck daran, diesen drängenden Fragen zu beantworten. So wird am Max Delbrück Center erforscht, ob mikroskopische Kunststoffteile in menschliche Gehirnzellen eindringen können und was sie dort bewirken. Im Rahmen der Berlin Brains Vortragsreihe präsentierten sechs Forschende des Max Delbrück Center, Paula Leupold, Georg Braune, Ivanna Kupryianchyk-Schulz, Robert Zinzen, Yi-Ming Zhang und Florian Bartsch, ihre Arbeit im Kuppelsaal des Planetariums in aufwendigen 360° Fulldome Visualisierungen. Ihr Beitrag zeigte: Zellen können unter Laborbedingungen Partikel aufnehmen und verpacken sie in kleine Bläschen. Gesundheitliche Schäden konnten bislang nicht festgestellt werden, doch die Forschung steht noch am Anfang.

Komm und sieh selbst

Andere Fragen konnten sich Gäste unter Anleitung selbst beantworten: Wie können Plastikarten getrennt werden und wo lassen sich die mikroskopischen Fragmente finden? Das Team des MINT-Schülerlabors des Campus Buch half, vorbereitete und selbst mitgebrachte Proben professionell zu untersuchen. Die Experimentierstationen des Gläsernen Labors wurden über die drei Tage begeistert von Jung und Alt genutzt.

Dabei wurden auch Präparate für eine weitere Veranstaltung im Kuppelsaal erstellt. Bei der "Mega-Mikroskopie" führte die Leiterin des Gläsernen Labors, Claudia Jacob, gemeinsam mit dem Initiator der Veranstaltung, Jochen Müller, das Publikum in die Welt der Kunststoffe durch alle Größenordnungen, von Makro bis Nano. Als ein Highlight der Thementage mikroskopierte Jochen Müller live an zwei von Zeiss zur Verfügung gestellten Mikroskopen, wobei das Bild eindrucksvoll in die Kuppel projiziert wurde.

Gleich ob Einzelpersonen, Familien oder Schulklassen, das Interesse war groß, auch die eigenen Objekte gemeinsam auf der größten Leinwand Berlins zu bestaunen oder zu erkennen, was dort vergrößert dargestellt wurde.

Mit ihren interaktiven Angeboten konnten die teilnehmenden Einrichtungen beim Publikum das Bewusstsein für die jetzt schon offenkundigen Folgen von Mikroplastik oder die möglichen Risiken in Mensch und Natur schärfen. Neben dem Gläsernen Labors waren dies: das Freilandlabor Marzahn, die Berliner Mikroskopische Gesellschaft, die deutsche Meeresstiftung und das Bundeinstitut für Risikobewertung.

Text: Dr. Jochen Müller für die buchinside 2/26

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